Interview Fritz Indra

Interview mit Fritz Indra: Es brodelt in der Branche

Die Automobilbranche steht unter Druck. Auf der einen Seite ist das hausgemacht, auf der anderen Seite staatlich verordnet, findet Fritz Indra. Alle Autohersteller sind mit Hochdruck dabei, die Elektrifizierung voranzutreiben. Möglicherweise auch, um in Zeiten von Abgasskandalen die Flucht nach vorne anzutreten. Dabei ist der Trend zum Elektroauto gerade auch mit Blick auf den Klimaschutz viel kritscher zu sehen, als das derzeit der Fall ist, findet Motor- und Formel 1-Experte Indra.

Fritz Indra: Es brodelt in der Branche insofern, als ich nicht verstehe, warum jetzt die gesamte Autoindustrie so viele Elektroautos entwickelt. VW spricht von einer Million in wenigen Jahren, und das, obwohl sich diese überhaupt nicht verkaufen. Es gibt keine Kunden, heute nicht und in Amerika sind die Zahlen rückläufig, in Norwegen stürzen die Zahlen ab, in Deutschland ist es gleichbleibend. Die Förderungen helfen alle nicht. Also wofür entwickeln alle Firmen heute diese Unzahl von Elektroautos und ich frage mich wo die Kunden herkommen sollen, weil ich nicht verstehe, warum ein Kunde etwas kaufen sollte, was schlechter ist als das was er hat. Und solang das Elektroauto nicht ein, zwei gravierende Vorteile gegenüber dem Auto hat, das er heute besitzt, dann kauft er es nicht. Wir müssen auch wissen, dass 80 Prozent der heutigen Elektroautos gar nicht von von Privatkunden gekauft werden, sondern von Kommunen. Inzwischen muss die Polizei, glaube ich, in Stuttgart auch Elektroauto fahren damit es ein bißchen mehr werden in der Statistik.

CTI: Sie kennen sich vorzüglich aus in dieser Branche, sprechen mit vielen der Experten auch hinter den Kulissen. Haben Sie den Eindruck, dass das was auf den Bühnen der Nation erzählt wird, auf den Vortragsveranstaltungen, etwas anderes ist als in der Entwicklungsabteilung oder auch in den Produktionsstandorten?

Indra: Ja, ich habe auch lange mit ganz wichtigen Leuten der Branche darüber diskutiert. Was die deutsche Autoindustrie versucht ist eine Vorwärtsstrategie für die Elektromobilität. Damit sie sich von der Regierung nicht vorhalten lassen muss, sie würden ja eigentlich gar nicht wollen. Und wenn z. B. Franz Weber von Daimler meint, wenn immer die Autoindustrie sagt: „das taugt eh nichts, dass kauft eh keiner und das fährt nicht weit genug und ist zu teuer und wenn die Batterie alt ist, ist das Auto nichts mehr wert.“ Hat er gesagt, damit kann man die Politiker nicht überzeugen. Man muss den Politikern das Gefühl geben: Ja, die deutsche Autoindustrie macht alles um die Elektromobilität zu realisieren um dann festzustellen, dass es niemand kauft. Und dann ist das Thema hoffentlich vom Tisch. Oder es wird sich auf einen, sagen wir mal, sehr kleinen Prozentsatz verringern, weil es unwahrscheinlich ist, dass das Elektroauto mal wirklich besser ist als das Auto, dass der Kunde heute hat. Sowohl in Bezug auf die Kosten, Reichweite oder Recycling. Kein Mensch spricht davon, dass das Elektroauto gar keinen Beitrag zum Klimaschutz leistet. Wenn man es richtig rechnet.