Interview Grotendorst: Elektromobilität: Was gibt es besseres, als Fahrspaß mit Nachhaltigkeit zu verbinden?

Elektromobilität: Was gibt es besseres, als Fahrspaß mit Nachhaltigkeit zu verbinden?

CTI Symposium 2016 – Interview mit Jörg Grotendorst, Head of E-Mobility, ZF Friedrichshafen AG

Die ZF Friedrichshafen GmbH verändert derzeit ihr Geschäftsmodell –  von von einem klassischen Fahrwerk- und Getriebebauer durch die Acquisition der vormals TRW zu einem ganzheitlichen Lösungsanbieter – nicht nur für mechanische, sondern auch für elektronische Systeme. Wir haben mit Jörg Grotendorst, dem Leiter E-Mobilität bei ZF, über den Trend zur Elektromobilität gesprochen.

CTI: Was für das Publikum aber ungewöhnlich war, ist, dass da vorne jemand steht, eine Führungspersönlichkeit, die so für das Thema brennt. Sie haben sich offenbar auf die Fahnen geschrieben, das Thema mit Emotionalität anzureichern. Ist das Konzept aufgegangen?

Grotendorst: Ja, ich bin tatsächlich der Ich bin tatsächlich der Überzeugung: Elektromobilität macht Spaß! Man braucht keine Öko-Konserven zu verkaufen. Die Leute wollen kein Auto kaufen, das sie dann letztendlich vollständig bezahlen, nur um damit wiederum zu sparen. Sondern ich bin grundsätzlich der Meinung: Spaß gehört zum Leben dazu und wenn wir den Spaß auch noch mit der Nachhaltigkeit verbinden können, ja was Besseres gibt’s doch nicht!“

CTI: Auch an der Podiumsdiskussion waren Sie beteiligt und sie hatten dort Nachwuchsführungskräfte mit auf der Bühne. Es wurden auch Filme eingespielt von jungen Menschen, die zum Thema Automobil befragt wurden. Für mich persönlich relativ erstaunlich, dass doch noch relativ viel Benzin im Blut der jungen Menschen pulsiert. Teilen Sie den Eindruck?

Grotendorst: Ja, den Eindruck teile ich vollkommen. Ich glaube aber, das liegt ganz einfach daran, dass die Vertreter auf der Bühne für die Gesellschaft nicht repräsentativ waren . Wir haben herausgehört, dass es junge Familienväter und -mütter gab auf der Bühne, die aber überwiegend im Randbezirk oder ähnlichem gewohnt haben und ich glaube, man kann einfach die Mobilitätsansprüche, die wir in Europa, speziell in Zentraleuropa und vielleicht in Amerika haben, gar nicht mit dem vergleichen, was die Massenmobilität vielleicht in den nächsten 15 Jahren für Großstädte und Mega-Cities bedeutet.

CTI: Das CTI Symposium feiert 15-jähriges Bestehen. Wenn man sich zurückerinnert – und das können Sie ja sehr, gut als einer, der bei sehr vielen Veranstaltungen bereits dabei – hat noch vor wenigen Jahren der große Teil der Branche gesagt, die Elektromobilität hat eigentlich kaum eine Chance. In diesem Jahr – 2016 sind die Aussagen ganz andere. Ist das ein Lippenbekenntnis oder ist die Branche tatsächlich unterwegs in diese neue Technologiezukunft?

Grotendorst: Ja, das hat mich auch gewundert. Da bin ich vollkommen bei Ihnen. Ich stelle fest, dass die Aussagen zur Elektromobilität im Vergleich zum letzten Jahr deutlich positiver sind, dass sich also der Trend ändert. Und besonders hat mich natürlich die TED-Umfrage gewundert, als gefragt wurde: „Wer von Ihnen glaubt denn, dass er in zehn Jahren ein Hybrid-Fahrzeug oder ein konventionelles Fahrzeug fahren wird?“

Wir haben vorher in den Diskussionen immer gehört, dass wir 2025 von vielleicht 25 Prozent Elektrifizierung ausgehen, was bedeuten würde, dass 75 Prozent der Fahrzeuge letztendlich noch mit einem Verbrenner ausgerüstet werden. Das sah ja hier im Saal völlig anders aus. Wir hatten, glaube ich, nur 13 Prozent konventionelle Antriebe, über 50 Prozent der Stimmen für Hybride – das macht in Summe also nur noch 65 Prozent für den Verbrenner und für den vollelektrischen Anrieb verbleiben damit 35 Prozent. Das ist deutlich mehr, als wir bei den meisten Prognosen bisher gehört haben.

CTI: Zum Abschluss die Frage: In Ihrem Unternehmen bei ZF, was war für sie der ausschlaggebende Punkt, sich so auf das Thema der Elektromobilität, der neuen Mobilität, zu stürzen. War es die mittlerweile auch zugegebenermaßen positivere Vermarktung dieses Themas durch die OEMs, oder haben sie als Zulieferer schon früher die Weichen gestellt, um diesem Trend entgegen zu kommen?

Grotendorst: Also bei uns ist es intern wirklich in der Diskussion, dass wir in unserer Historie einfach relativ früh mit der Elektrifizierung der Getriebe angefangen haben. Traditionell sind wir aber bei der ZF aus der Längsbauweise gekommen. Also Fahrzeuge mit Tunnelkonstruktion. Und wenn wir jetzt mal 15 Jahre in die Zukunft schauen, Richtung autonomes Fahren und einer individuellen Freiheit der Passagiere in der Fahrgastzelle, dann gibt’s vielleicht den Tunnel gar nicht mehr. Und sich dann zu überlegen, welche Antriebslösungen wir dann brauchen, um dem Fahrgast in der Fahrzeugmitte Freiraum einzuräumen – da landet man irgendwann unweigerlich beim Elektroantrieb. Und ich glaube, das hat die ganze Führungsmannschaft der ZF relativ gut verstanden, dass wir uns darauf vorbereiten müssen.