Interview mit Jürgen Geise

Interview mit Jürgen Geise, CEO, Diehl Metall Schmiedetechnik – CTI Symposium 2016

Elektromobilität kommt schneller als vermutet

Interview mit Jürgen Geise, CEO, Diehl Metall Schmiedetechnik auf dem CTI Symposium 2016

Aufgrund der Entscheidungen und der Diskussion in Politik und Wirtschaft kommt die Elektromobilität schneller als gedacht. Dieser Meinung ist Jürgen Geise, Geschäftsführer bei Diehl Metall Schmiedetechnik. Beim CTI Symposium 2016 in Berlin stand er uns für ein Video-Interview zur Verfügung.

Während man in den vergangenen Jahren den Eindruck hatte, dass sich die Branche noch so ein bisschen zu wehren versuchte, hat man jetzt doch das Gefühl, dass auch die Zulieferer mittlerweile in diesen Kanon einstimmen. Hat sich tatsächlich die Branche so stark verändert oder sind das hier vor Ort Lippenbekenntnisse?

Ich glaube die Branche verändert sich so stark. Der Druck von außen wird größer, es muss was getan werden und wir müssen jetzt natürlich nachziehen in der Branche und sehen, dass wir uns auf die Elektromobilität einstellen.

Für Sie als Zulieferer würde sich damit, wenn tatsächlich die Prognosen so eintreffen, eine ganze Menge ändern. Ist so eine Veranstaltung wie diese hier für Sie eine Entscheidungsgrundlage oder ist das eher strategisches Beiwerk?

Strategisches Beiwerk würde ich nicht sagen. Es ist mit Sicherheit eine Grundlage um die Strategie zu entwickeln, denn man hat ja gesehen, viele Zahlen die das zeigen, dass wir die nächste Dekade in unserer Industrie mit Sicherheit noch ein Wachstumsmarkt haben. Aber danach wahrscheinlich die ersten Negativtendenzen auftauchen und wir müssen uns jetzt natürlich darauf einstellen: Was macht dann die Zuliefererindustrie in zehn Jahren.

Wie werden Sie konkret darauf reagieren? Man hat ja tatsächlich hier die Notwendigkeit erkannt, dass sich die Zulieferer auch an die Bedürfnisse ihrer OEMs anpassen müssen. Auch die sprechen mittlerweile von einer sehr kurzfristigen Umstellung auf diese Elektromobilität. Was heißt das für Sie konkret?

Bei der kurzfristigen Umstellung sehe ich halt noch nicht die große Probleme, weil da der Hybrid erstmal noch dabei ist und ein Hybrid hat weiterhin seine Getriebe. Erst wenn die reine Batterie-Elektromobilität kommt und da muss man natürlich auch mit den OEMs zusammen schauen, gibt’s da vielleicht irgendwann doch noch ein, zwei Gänge, die geschaltet werden müssen bei der Elektromobilität oder nicht. Und das sind jetzt so die Sachen weswegen die CTI auch in den nächsten Jahren für uns sehr wichtig ist. Es wird jetzt sehr viel geforscht bei der Elektromobilität, aber welcher Standard setzt sich dann irgendwann mal durch? Und ich glaube die Informationen wird man hier bekommen.

Die Veranstaltung wird immer größer, mittlerweile ist auch die Ausstellungsfläche, die Transmission Expo, immer größer geworden. Sie sind traditionell hier an der besten Stelle in der Ausstellung mit ihrem Ausstellungsstand, wie empfinden Sie in diesem Jahr die große Anzahl der Teilnehmer und wie ist das Interesse an Ihren Informationen hier auf dem Ausstellungsstand?

Auf dem Ausstellungsstand war es etwas ruhiger als letztes Jahr, was mich wundert, aber ich glaube es liegt auch bisschen daran, dass es zerklüfteter geworden ist. Es ist nicht mehr ein großer Raum, man hat noch eine weitere Räume da, was ein bisschen den Publikumsverkehr einschränkt. Wir mit unserer Stellung an der Kaffeebar haben natürlich die Möglichkeit von da aus auch noch mal wieder Interessenten abzuziehen.

Wie sehen sie die Trends für die kommenden Jahren? Das CTI Symposium wird sich weiterentwickeln, aber vor allem der Markt wird sich weiterentwickeln. Was sehen sie auf ihr Unternehmen und die Branche insgesamt zu kommen?

Veränderungen, große Veränderungen, in die Richtung: Wir müssen und halt umorientieren, weil gegebenenfalls unsere Produkte in zehn Jahren die erste Marktschwäche erfahren werden und danach so langsam dem Ende zugehen. Das heißt, wir müssen uns umschauen, was können wir in der Automobilindustrie an anderen Produkten liefern.

Ist das ein trauriger Blick in die Zukunft oder sehen sie auch Chancen neue Geschäfte anzubahnen?

Natürlich sehe ich auch Chancen, neue Geschäfte anzubahnen. Traurig kann man nicht in die Zukunft blicken, dann sollte man dieses Geschäft aufgeben. Nein, hier geht es wirklich darum zu schauen: Wie können wir unsere Kernkompetenzen, unsere Kernstärken halt in Zukunft auch weiter verwenden.