Interview Prof. Kücükay

Das nächste Getriebe-Symposium verspricht, spannend zu werden!

Interview mit Prof. Dr. Ferit Küҫükay, TU Braunschweig

Professor Küçükay ist Vorsitzender des Advisory Bords des Getriebe-Symposiums. Wir haben mit ihm über die aktuellen Entwicklungen in der Branche gesprochen. Der Trend ist eindeutig – die Antriebsentwicklung bewegt sich mehr und mehr in Richtung Elektrifizierung.

CTI: Herr Prof Küçükay, das Jahr 2016 war ein spannendes Jahr für die Automobilindustrie. Außerdem war es ein Jubiläumsjahr für das CTI Symposium, das bereits zum 15. Mal stattfand. Und in diesem Jahr war es eine Veranstaltung, die eigentlich schöner und größer nicht sein kann. Wie haben Sie es empfunden?

Ferit Küçükay: Ja, ich habe das auch sehr positiv empfunden, es war ja die größte Veranstaltung, die wir bisher hatten, mit über 1350 Teilnehmern und 135 Ausstellern, mit einer großen Themenvielfalt in acht Parallelsessions und im Plenum. So einen Umfang hatten wir noch nicht, insofern bin ich ganz zufrieden ja.
Es ist in der Tat so, dass wir in den ersten Symposien das Getriebe alleine betrachtet hatten und seit rund zehn Jahren aber die Elektrifizierung der Getriebe mehr und mehr integriert haben, was durch die Hybridantriebe erforderlich wurde.

Und ich denke, dass das auch vom Publikum honoriert wird, dass die Elektrifizierung auf der Veranstaltung eine immer größere Rolle spielt. Denn die Tendenz geht natürlich in Richtung eines immer größeren Anteils der elektrifizierten Getriebe sowie zu einer steigenden Zahl an Vorträgen zum vollen Umfang der elektrifizierten Getriebe. Außerdem spiegelt die Zunahme ja auch wieder, dass die E-Mobilität in der Automobilindustrie sehr stark forciert wird.

CTI: Bei den Vorträgen, die wir gehört haben, an den beiden Tagen, war deutlich zu spüren, dass der Schwerpunkt offenbar mittlerweile in der Branche auf den elektrifizierten, teilweise sogar bei den elektrisch angetriebenen Automobilen und Nutzfahrzeugen liegt. Das war in den letzten Jahren noch ganz anders, da hat man das Gefühl gehabt, dass sich die Branche noch ein wenig wehrt, gegen diesen Trend. Ist das etwas, dass wie hier eher noch auf einer Bühne stattfindet und in der Praxis noch nicht oder kann man diese Veranstaltung als das Spiegelbild der Praxis sehen?

Ferit Küçükay: Das spiegelt sicherlich auf der einen Seite die Praxis wider. Auf der anderen Seite ist es so, dass man auf solchen Symposien die neuen Entwicklungstrends und die neuen Aggregate und Bauteile eher präsentiert als die etablierten Technologien. Die konventionellen Technologien sind ja – wie gesagt – bereits etabliert. Über die neuen Technologien, haben wir im Zuge der Elektrifizierung, selbstverständlich mehr Beiträge und deshalb folgerichtig hier einen Schwerpunkt gesetzt. Wir müssen die unterschiedlichen Hybrid- und Elektroantriebe definitiv thematisieren, insofern gab es seit zehn Jahren eine konsequente Erweiterung unseres Symposiums in diese Richtung und das wird natürlich auch entsprechend vom Publikum anerkannt.

CTI: Ein weiteres Highlight ihrer Veranstaltung war und ist jedes Jahr die Podiumsdiskussion, Sie haben sich dieses Mal dazu entschieden, ein leicht modifiziertes Konzept zu wählen, nämlich welches?

Ferit Küçükay: Ja wir haben dieses Mal Newcomer, also „Nachwuchsexperten“, gegen bereits etablierte Experten in der Industrie antreten lassen und zusammen haben sie sich über die Mobilität und Antrieb der Zukunft unterhalten.Das war eine sehr interessante Runde, mit interessanten Aussagen.

CTI: Die Ausstellung wir bei Ihnen Transmission Expo genannt – in diesem Jahr war sie größer denn je, Sie haben mittlerweile die gesamte Bandbreite von Unternehmen – von den OMS, über Zulieferer bis hin zu Dienstleistern im Bereich Antrieb – hier versammeln können. Welches Feedback bekommen Sie dafür von den Teilnehmern? Das ist ja schon nahezu eine Messe, die Sie hier anbieten.

Ferit Küçükay: Es ist in der Tat so, dass diese Veranstaltung in der Form, wie wir sie durchführen, die größte Messe darstellt, was die Getriebetechnik anbetrifft – fokussiert auf traditionelle Getriebe, elektrifizierte Getriebe, Realisierung von Hybridantrieben, aber auch von Elektroantrieben, durch den Einsatz von Getriebetechnik. Das ist eine einmalige Vielfalt – sowohl bei den Vorträgen als auch in Bezug auf die Zulieferer beispielsweise. Das hat sich im Zuge einer zunehmenden Komplexität und Typenvielfalt im Rahmen der zunehmenden Elektrifizierung der Getriebe so entwickelt. Und damit haben wir völlig neue Player aus dem Getriebegeschäft, es kommen natürlich auch E- Maschinenhersteller und Aktuatorenhersteller hinzu. Und allen diesen Entwicklungen müssen wir auch im Rahmen der Transmission Expo Rechnung tragen. Es ist nur konsequent, wenn wir sowohl eine Variantenvielfalt bei den Vorträgen einerseits als auch bei den Ausstellern andererseits haben. Diese müssen sich ja ergänzen.

CTI: Ein weiteres Thema ist mittlerweile zu einem Alleinstellungsmerkmal des CTI Symposiums geworden, nämlich die Förderung junger Nachwuchstalente. Young Drive Experts heißt diese Sparte bei ihnen, in der Sie auf Ihrer Veranstaltung – mittlerweile schon traditionell – Preise vergeben. In diesem Jahr gab es ein Novum mit einem neuen Präsentationsformat. Die jungen Experten haben sich hier auf innovative Art und Weise im Pecha Kucha-Format präsentiert. Wie empfanden Sie diesen Programmpunkt?

Ferit Küçükay: Ich persönlich fand das großartig und auch beim Publikum kam das sehr gut an. Die Finalisten mussten ihr recht komplexes Thema innerhalb von zwei Minuten sehr anschaulich präsentieren und zeigen, dass sie tatsächlich einen wichtigen Punkt im Rahmen ihrer Arbeit behandelt hatten. Das ist auch allen gelungen. Dieses Mal konnten wir das Publikum durch einen Dezibelmesser in die Bewertung mit einbeziehen. Also, derjenige, der den ersten Platz gemacht hat, hatte den höchsten Dezibelwert beim Applaus erreicht. Großartig finde ich daran, dass sich das Publikum letztendlich ein eigenes Bild darüber machen und mitentscheiden konnte.

CTI: Zum Abschluss die Frage, welches persönliche Highlight Sie an den zwei Tagen erlebt haben. Was war für Sie der entscheidende Punkt bei dieser Veranstaltung?

Ferit Küçükay: Also für mich war der entscheidende Punkt, dass wir einerseits sehr stark in Richtung der Elektrifizierung marschieren. Es gibt ja Prognosen, dass bis zum Jahre 2025 bis ein Viertel aller Fahrzeuge hochelektrifiziert – also entweder Plug-in-Hybride oder reine batterieelektrische Fahrzeuge – sein werden – dass aber auf der anderen Seite der Verbrennungsmotor weiterhin aktuell sein wird.

In der nahen Zukunft werden wir weiterhin erst einmal sehr viele Fahrzeuge mit Verbrennungskraftmaschine haben und auch im Jahr 2030 wird ein großer Anteil von produzierten Fahrzeugen noch mit Verbrennungsmotoren ausgestattet sein
Und das Besondere ist ja, dass es zunächst zu einem Anstieg der Komplexität und der Vielfalt der Antriebskonfigurationen kommen wird und dass sich diese sogar noch einmal steigern wird, bis wir wirklich soweit sind, dass die Mehrzahl der Fahrzeuge über rein batterieelektrische Antriebe verfügt. Erst dann wird diese Komplexität abnehmen. Also werden wir auf absehbare Zeit zunächst eine steigende Komplexität und Variantenvielfalt erleben. Das ist eine Erkenntnis, die ich mitgenommen habe.

Ein weiteres Highlight rund um das Thema der Elektromobilität sind auch die sich stetig verändernden Prognosen. Da gibt jetzt doch Tendenzen, dass sie schneller kommen könnte als man vielleicht vor fünf Jahren noch angenommen hat. Nicht zuletzt auch durch den internationalen Druck auf dieses Thema, insbesondere aus China natürlich, und auch in Europa werden wir entsprechende Schritte einleiten müssen. Gleichzeitig müssen wir weiterhin die konventionelle Technik zu optimieren wissen und dort auch entsprechende Techniken und Maßnahmen einführen.

CTI: Es gibt also allen Grund, sich auf das Jahr 2017 und damit auf da 16. CTI Symposium zu freuen?

Ferit Küçükay: Ja, ich freue mich schon drauf! Ich hatte vorhin das vergessen zu erwähnen, wir haben natürlich dann auch die beiden Themenkreise der „Vernetzung der Automobile“ und des „automatisierten Fahrens“. In beiden Bereichen gibt es enorme Fortschritte und deshalb werden wir diese beiden Themen anlässlich unseres nächstes Symposium noch etwas näher betrachten und intensiver in das Symposium integrieren. Insofern gibt es eine nochmalige Bereicherung durch diese Thematik. Nicht nur durch Elektromobilität.