Interview mit Dr. Wolfgang Ziebart

An der Elektrifizierung führt kein Weg vorbei – Interview mit Dr. Wolfgang Ziebart beim CTI Symposium Berlin 2015

„An der Elektrifizierung führt kein Weg vorbei“ – Interview mit Dr. Wolfgang Ziebart beim CTI Symposium Berlin 2015

Dr. Wolfgang Ziebart, ehemaliger Engineering Director bei Jaguar Land Rover, zur Elektrifizierung der Getriebestränge und zur Zukunft der Elektromobilität

Wir haben auf dem CTI-Symposium 2015 mit Dr. Wolfgang Ziebart gesprochen und ihn um seine Einschätzung zur Zukunft der Elektrifizierung in der Automobilbranche gebeten. Er zeigte sich optimistisch im Hinblick auf die schnelle Verbreitung von Elektrofahrzeugen, sieht Deutschland jedoch nicht an der Spitze in diesem Zusammenhang. Die Elektrifizierung des Antriebsstrangs hält er schon mit Hinblick auf die strengen EU-Vorgaben zur Einsparung von CO2 für alternativlos.

„An der Elektrifizierung des Antriebsstrangs führt kein Weg vorbei. Dieser wird im Wesentlichen durch die Anforderungen im Hinblick auf CO2-Einsparungen getrieben, die es auf allen Hauptmärkten weltweit gibt. Federführend ist hier Europa mit den strengsten Vorschriften“, so Ziebart. Bis 2020 müssten die Verbräuche der Fahrzeuge auf durchschnittlich 95 Gramm pro Kilometer, also auf weniger als 4 Liter auf 100 km reduziert werden, was in den meisten Klassen nur dadurch zu erreichen sei, indem man den Antriebsstrang elektrifiziere oder sogar zu vollelektrischen Fahrzeugen übergehe.

CTI: Ein Diskussionspunkt heute war der der Emotionalität. Also die zukünftige Nutzung von Elektrofahrzeugen, um überhaupt mobil zu sein. Und man fragt sich dabei, können wir mit dem konventionellen Antrieb überhaupt noch das leisten, was die Elektromobilität verspricht?

Ziebart: Ja, es ist sehr interessant zu sehen, dass die Elektromobilität die Kunden auf eine ganz andere Art und Weise anspricht, als man das vorher angenommen hatte, nämlich über den Faktor Spaß. Sie können eine sehr hohe Beschleunigung mit einem Elektrofahrzeug erreichen, ohne dass sie einen großen und teueren Verbrennungmotor verbauen müssen, was in der normalen Fahrzeugklasse ein Sportwagen-Feeling erzeugt. Und das ist letztlich etwas, was sehr entscheidend für die Verbreitung von Elektrofahrzeugen in der Zukunft sein wird.

CTI: Man hat das hier bei der Diskussion auch gemerkt, es gibt richtige Fraktionen hier, die prophezeien, dass uns der der Verbrennungsmotor noch sehr lange erhalten bleiben wird. Prof. Indra (ehem. Motor- und Antriebs-Chefentwickler bei Alpina, Audi, Opel und General Motors) sprach scherzhaft von 500 Jahren. Es gab aber auch andere, die ganz klar gesagt haben, dass die Elektromobilität schneller und heftiger kommen wird, als wir uns das heute vorstellen können –vergleichbar mit der Smartphoneentwicklung und der der Marke Apple. Sehen Sie das ähnlich?

Ziebart: Ja, das sehe ich genauso. Ich bin sicher, dass wir deutlich schneller Elektrofahrzeuge in großer Stückzahl am Markt haben werden, als wir es heute annehmen. Vielleicht nicht unbedingt in Deutschland. Deutschland wird kein Leitmarkt der Elektrobmobilität werden, da fehlen einfach gewisse Voraussetzungen, insbesondere Förderung. Aber es gibt ja andere Märkte, die die Leitrolle übernehmen und wenn sie heute nach Californien schauen – dort ist Tesla praktisch das meistverkaufte Fahrzeug im Luxussegment – dann sehen Sie schon, in welche Richtung wir uns bewegen.