Grusswort

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15. CTI Symposium im Zeichen der Effizienz, Vielfalt und Komplexität

Die Vielfalt und die Komplexität der Multitechnologie-Lösungen in der Antriebs- und Getriebeentwicklung sind größer als je zuvor. Mittlerweile ist klar, dass die einst als Brückentechnologie bezeichneten Hybridantriebe auf absehbare Zeit ein Bestandteil des Technologiemixes bleiben werden. So entwickeln die meisten Automobilhersteller – neben Elektrofahrzeugen – mit hohem Tempo vielfältige Hybridvarianten, von 48 Volt-Mild-Hybrid über den Voll-Hybrid bis zum Plug-in-Hybrid. Damit sollen die besonders anspruchsvollen CO2– und Emissionsanforderungen im Zyklus sowie im RDE-Test erfüllt werden. Insofern ist die Verkündung von Toyota nur folgerichtig: In der 2020er Dekade wird für jedes Modell von Toyota und Lexus ein Hybridantrieb angeboten.

Aktuelle Diskussionen über Einfahrverbote von Dieselfahrzeugen in Städten und sogar Verkaufsstopps konventioneller Neufahrzeuge, wie sie in Norwegen geführt werden, rücken die elektrifizierten Antriebe einmal mehr in den Vordergrund der Automobilentwicklung. Denn BEV, FCEV und PHEV mit hinreichender elektrischer Reichweite sind die einzigen Alternativen zur Gewährleistung der lokalen Emissionsfreiheit in Ballungsgebieten.

Bis 2020 werden sich die Reichweite von Elektrofahrzeugen in Folge der erheblich verbesserten Energiedichten der Batterien verdoppeln und gleichzeitig die Batteriepreise halbieren. Weitere wesentliche Erhöhungen der Reichweiten, z.B. durch die ASS
(All Solid State)-Batterien dürften ab 2030 zum endgültigen Aufstieg der Elektrofahrzeuge zur Erstfahrzeugalternative für einen relativ breiten Kundenkreis führen. Dies wiederum setzt die noch relativ kostenintensiven Wasserstoffantriebe weiter unter Druck.

Die konventionellen Antriebe bleiben dennoch auch zukünftig im Fokus der Antriebs- und Getriebeentwickler. Sie sind bezüglich der Reichweite, Kraftstoffinfrastruktur und Kosten – nicht nur für die schweren Lastkraftwagen – in den meisten Fällen praktisch die einzige Alternative. Ferner schneiden sie bezüglich der globalen CO2-Bilanz im Sinne der Lebenszyklusanalyse vielfach besser ab. Hier gilt es also, die Effizienz und die Emissionen weiter zu verbessern.

Unbestritten sind dagegen die Komfort- und Sicherheitsvorteile durch die Vernetzung der Fahrzeuge und das Automatisierte Fahren. Der Übergang vom derzeit assistierten zum teil- und zukünftig hochautomatisierten Fahren wird trotz jüngster Unfälle mit Hochdruck vorangetrieben. Für den Antrieb und das Getriebe bedeutet dies, die Zugkraft über den gesamten Geschwindigkeitsbereich stets kontinuierlich, komfortabel und akustisch unauffällig sowie bei Bedarf spontan zur Verfügung zu stellen.

Im Rahmen des letzten Symposiums in Berlin wurde erstmalig der Begriff „Dedicated Hybrid Transmission (DHT)“ für eine neue Klasse von Hybridgetrieben eingeführt, deren Funktion die Integration einer oder mehrerer Elektromotoren in das Getriebe erfordert. DHT wurde im Plenum diskutiert und fand hohe Akzeptanz.

Auch in diesem Jahr werden neue DHTs als „reinrassige“ Hybridantriebe vorgestellt. Darüber hinaus werden wir neue Konzepte von Getrieben, Hybrid- und Elektroantrieben, aber auch zahlreiche komponentenbezogene Themen und Fragestellungen behandeln, die in der Summe den Gesamtantrieb zu optimieren helfen:

  • Trends in der Entwicklung elektrifizierter Antriebe: Hochdrehzahl-EM für EV, modulare Konzepte für kompakte sowie hochleistungsfähige (P)HEV
  • MT, AMT, DCT, AT, CVT: neue Konzepte und verbesserte Komponenten; Was brauchen zukünftige MT um bestehen zu können?
  • Mit welchen Antriebstopologien werden 48V-Systeme den (Massen-)Markt erobern?
  • Werden E-Achsen mechanische Allradantriebe verdrängen?
  • Welche Einflüsse hat das Automatisierte Fahren auf die Entwicklung zukünftiger Getriebe, und wie beeinflussen funktionale Sicherheit und Cyber Security den Antrieb?
  • Welche Herausforderungen gibt es bei Markteinführungen von Getrieben in China?
  • Anfahrelemente, Schwingungsdämpfung, NVH: Potenziale und Grenzen
  • Komponenten: Welche Neuerungen gibt es hinsichtlich Effizienz und Elektrifizierung? Wie kann die Reibung weiter reduziert werden?
  • Wie wirkt sich die Schmierung und Beölung auf die Antriebseffizienz aus?
  • Was tut sich bei der Batterieentwicklung hinsichtlich Kosten und Energiedichte?
  • Tools, Simulation: von der Synthese zukünftiger Antriebe bis hin zur virtuellen Kalibration
  • Lässt sich durch Antriebsintegration die zunehmende Komplexität in der Getriebeentwicklung beherrschen?
  • Nutzfahrzeugantriebe und -getriebe: AT oder AMT?
  • Produktion: Leichtbau, Fertigungstechnologien und der Einfluss der Elektrifizierung
  • Wie wirken sich die Gesetzgebung und die RDE-Tests auf die Entwicklung von Antriebssystemen aus?

 

Mit der Verleihung des 8. CTI Young Drive Experts Award an frisch diplomierte und promovierte AbsolventInnen, deren Arbeiten auf dem Gebiet der Getriebe und Antriebsentwicklung besonders herausragen, unterstreichen wir die Bedeutung des Nachwuchses.

Die oben angedeutete große Themenvielfalt wird in einem umfangreichen Programm behandelt: 100 Fachvorträge im Plenum und in 16 parallelen Vortragsreihen. In der neu konzipierten Podiumsdiskussion werden Antriebs- und Getriebeexperten mit Newcomern über den Themenkreis „Mobilität und Antrieb der Zukunft“ diskutieren. Dies alles begleitet von der Transmission Expo, unserem „Technologiemarkt für innovative Produkte zum Anfassen“ mit 135 Ausstellern.

Mit dem Einführungstag für Quereinsteiger und dem Hauptprogramm sowie der alljährlichen CTI Vergleichsfahrt zum Erleben von Neu- und Weiterentwicklungen nach den Haupttagen stellt das 15. CTI Symposium in Berlin erneut ein exzellentes Forum zum Meinungs- und Erfahrungsaustausch für internationale Getriebe- und Antriebsfachleute dar und gibt ein wertvolles Statusupdate sowie einen Ausblick in die Zukunft.

Ich freue mich auf Ihre Teilnahme und wünsche Ihnen viele nützliche Gespräche
und Anregungen.

Mit freundlichen Grüßen

kuecuekayProf. Dr.-Ing. Ferit Küçükay
Direktor
Institut für Fahrzeugtechnik
Technische Universität Braunschweig